Polymedikation im Alter

Im Mittelpunkt geriatrischen Handelns stehen Patient*innen im höheren Lebensalter: Frailty, Sarkopenie und Multimorbidität zeigen eine hohe Prävalenz. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich führt die hohe Zahl an Diagnosen zu einer erheblichen Polymedikation (Polypharmazie). Anzahl und Art von Interaktionen und Nebenwirkungen sowie die damit verbundenen Risiken sind für klinisch tätige Ärzt*innen kaum mehr überschaubar. Nicht zuletzt finden die negativen Auswirkungen unseres Handelns unter dem Synonym iatrogene Schäden bei den geriatrischen Riesen ihren Platz. Die Prävalenz der Polymedikation zeigt in der Bevölkerung eine große Schwankungsbreite, wobei ältere Patient*innen (über 75Jahre) durchschnittlich 8 verschiedene Substanzen zu sich nehmen.

35% der älteren selbstständig lebenden Bevölkerung leiden an unerwünschten Wirkungen ihrer Medikamente, als Folge davon nimmt etwa 1/3 ärztliche Hilfe in Anspruch. Oft werden Nebenwirkungen oder Interaktionen nicht erkannt und mit dem Verordnen zusätzlicher Medikamente behandelt – für dieses Phänomen ist der Begriff der Verschreibungskaskade etabliert. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind häufig auch der Grund für Krankenhausaufnahmen alter Menschen, wobei knapp die Hälfte dieser Aufnahmen als vermeidbar gilt. Leitlinien stellen eine wesentliche Hilfe in der Behandlung unserer Patient*innen dar, berücksichtigen aber die komplexe Problematik geriatrischer Patient*innen meist nur unzureichend.

Anhand praktischer Beispiele werden typische Problemkonstellationen erarbeitet sowie verschiedene Hilfsmittel vorgestellt, die helfen, eine sichere und wirkungsvolle Arzneimitteltherapie bei alten Patient*innen zu gestalten.

 

Ort: S2.05 Datum: 24. September 2022 Zeit: 10:15 - 11:45 Bernhard Iglseder